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Thema Hallenbad: Wortgefechte und Rügen prägen letzte Ratssitzung

23.12.2025 • Achim Süß • 4 Min.Kommentare: 2

Gravierende Meinungsverschiedenheiten in zentralen Fragen der Kommunalpolitik haben den Verlauf der letzten Ratssitzung in 2025 bestimmt. Allein die Feststellung der Tagesordnung nahm 20 Minuten in Anspruch. Die Ratsherren Bredthauer (SPD) und Uebelmann (CDU) scheiterten mit ihren Anträgen, den Beschluss zum Hallenbad-Projekt zu vertagen. Der Rat stimmte mit großer Mehrheit für das 40-Millionen-Vorhaben.

23.12.2025
Achim Süß
4 Min.
Bürgermeister Carsten Piellusch im Stadtrat | Foto: Süß

Wunstorf (as). Das Hallenbad-Projekt auf den Weg gebracht, einen Beirat für die Umgestaltung der Innenstadt ebenfalls, den Doppelhaushalt für 2026 und 2027 beschlossen: In einer langen, außergewöhnlichen Sitzung hat der Rat folgenreiche Beschlüsse gefasst. Vor gut 70 Zuhörern bestimmte Konfrontation die Debatten in der Aula des Hölty-Gymnasiums.

Uebelmann und Bredthauer hatten unabhängig voneinander und ohne Rückendeckung ihrer Fraktionen die Vertagung des Beschlusses zum Bad-Projekt verlangt. Beide hielten ihre Anträge trotz heftiger Kritik aufrecht – allerdings ohne Erfolg. Der Rat stimmte bei sieben Ja-Stimmen und drei Enthaltungen gegen die Absetzung des Beschlusses. In der Diskussion musste sich Bredthauer Zurechtweisungen von seinem Fraktionsvorsitzenden Martin Ehlerding und Bürgermeister Carsten Piellusch (ebenfalls SPD) gefallen lassen.

Der Klein Heidorner Ratsherr Uebelmann gilt als Fundamental-Kritiker der Hallenbadpläne. Er befürwortet einen kompletten Neubau an der Straße von Wunstorf nach Bokeloh – auch wenn es mehr als 40 Millionen Euro kosten sollte. Darüber hinaus hält er die Beratungszeit von knapp zwölf Tagen für die aktuellen Konzeptstudien für zu kurz und bemängelt die Umgehung wichtiger kommunalpolitischer Gremien.

Jörg Uebelmann | Foto: Süß

Unterstützt wurde er vom Steinhuder Ratskollegen Bredthauer. Wie in seinem Antrag auf Vertagung wiederholte er den Vorwurf, es sei nicht genug Zeit gewesen, die Beschlussvorlage gründlich zu prüfen, zu beraten und offene Fragen zu klären. Bredthauer musste sich zunächst einen kritischen Zwischenruf seines Fraktionschefs Ehlerding anhören, den er mit der Bemerkung konterte: „Guck mal in die Geschäftsordnung!“

Piellusch kontert

Heftiger fiel die Gegenrede von Bürgermeister Piellusch aus. Piellusch nahm in seinem Appell an den Rat, „bitte heute zu entscheide“ einen großen Teil seiner Argumentation zum späteren Tagesordnungspunkt mit dem Beschluss zum Bau vorweg: Es gebe zwei positive Ratsbeschlüsse zum Thema, „und die Dinge sind alle entschieden!“ Es sei ihm persönlich wichtig, das Projekt auf der Basis früherer Beschlüsse weiterzuentwickeln. Piellusch: „Es ist genug Zeit gewesen.“

Hinzu komme die brandaktuelle Chance, einen bedeutendem Zuschuss aus einem Förderprogramm der Bundesregierung einzuwerben. Der erneute Ratsbeschluss sei wichtig: „Wir brauchen dieses Signal.“ Piellusch wandte sich gegen jede Verzögerung: Bei der aktuellen Inflation werde das Vorhaben jedes Jahr um etwa 800.000 Euro teurer.

Sehr direkt und persönlich fiel seine Kritik an den Einwänden seines Genossen Bredthauer aus, der die Bäderpläne schon in der jüngsten Haushaltsklausur von SPD und CDU in Walsrode negativ kommentiert hatte. Bredthauer habe es „in fünf Wochen nicht geschafft“, sich zwischen Tagung und Ratssitzung über das Projekt zu informieren.

Taschenspielertricks?

Gleich zu Beginn seines Debattenbeitrags wurde deutlich, dass sich die Meinungsverschiedenheiten im Rat, aber auch innerhalb der SPD/CDU-Gruppe und innerhalb der beiden großen Fraktionen geradezu zu einer Konfrontation entwickelt haben. Der Bürgermeister hatte zunächst mit einem Satz bei Rat und Zuhörern Verwunderung und Irritationen ausgelöst: „Wir lernen heute einiges über Taschenspielertricks.“ Eine Erklärung zu dem Satz lieferte er nicht. Manfred Wenzel (CDU) erklärte dazu in einem kurzen Beitrag, diese Wortwahl sei der Würde des Rates nicht angemessen. Seine Anregung, sich zu entschuldigen, blieb unbeachtet.

Bredthauer: Keine Spur von Weihnacht | Foto: Süß

Nachdrücklich gegen die beiden Vorschläge von Bredthauer und Uebelmann wandte sich auch Martin Ehlerding, der Mehrheitsführer: Die Diskussion über die Anträge zur Tagesordnung zeige doch gerade deutlich, wie nötig die Debatte über das Projekt sei. Unterstützung für die beiden Abweichler kam von Klaus Maurer (FDP) und Birgit Mares. Die Grüne erklärte: „Ich fühle mich bedrängt.“ Ihre Fraktionskollegin Anne Dalig kritisierte das Verfahren als „Hoppla-Hopp-Beschluss“.

Pavel zwischen den Stühlen

Er habe in allen Fraktionen („Auch bei den Grünen“) über die Pläne informiert, betonte in der Aussprache der SPD-Ratsherr Thomas Silbermann, der den Aufsichtsrat der Bäderbetriebe leitet. In einer persönlich gehaltenen Stellungnahme offenbarte Martin Pavel, CDU-Ratsherr und Stadtverbandsvorsitzender, seinen Zwiespalt: Einerseits respektiere er den Wunsch, intensiver zu beraten. Auch den Ablauf der Beratungstermine und die Beschränkung auf den Verwaltungsausschuss und den Rat unter Ausklammerung von Ortsrat und weiteren Ausschüssen halte er für problematisch.

Andererseits habe er seine positive Meinung zur Vertagung revidieren müssen: Bürgermeister Piellusch habe in der Vorbesprechung zum Verwaltungsausschuss überraschend mitgeteilt, dass aus dem Förderprogramm der Bundesregierung bis zu acht Millionen Euro Zuschuss nach Wunstorf gelenkt werden könnten.

Der Zuschuss aus dem Sondervermögen sei für die Modernisierung von Sportstätten gedacht. Diese Möglichkeit dürfe man nicht einfach vom Tisch wischen, sagte Pavel. Allerdings sei Eile geboten: Der Antrag muss am 15. Januar 2026 in Berlin vorliegen. Deshalb sei die CDU-Fraktion mehrheitlich gegen die Vertagung. Ihm falle die Zustimmung zu dieser Position allerdings sehr schwer.

Große Mehrheit für die neue Schwimmbadidee

Mit Rudolf Speckhan und Guido Thimian von den Grünen enthielt sich Pavel in der abschließenden Abstimmung über die Tagesordnung. Die Anträge von Uebelmann und Bredthauer wurden von Klaus Maurer (FDP), Kerstin Obladen (Freie Wähler), Anne Dalig und Birgit Mares (beide Grüne) unterstützt. Die große Mehrheit aus CDU, SPD und AfD stimmte dagegen. Nach Informationen der Auepost waren die beiden AfD-Ratsherren Andreas Niepel und Nicolas Lehrke anfangs der Meinung von Bredthauer und Uebelmann, haben sich aber nach einem Treffen mit Silbermann anders entschieden.

Der Aufsichtsratsvorsitzende hat in dem Gespräch seine Meinung wiederholt, eigentlich sei ein erneuter Ratsbeschluss für die Verwirklichung der Pläne nach den beiden Voten des Rates in vergangenen Jahren nicht nötig. Entscheidend war offenbar Silbermanns erneute Versicherung, dass das alte Bad während des Bauprojekts nicht für zwei Jahre geschlossen werden müsse.

siehe auch: Aus dem alten Wunstorfer Hallenbad soll eine ganze Schwimmbad-Landschaft werden
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Kommentare


  • Genervter Mitbürger sagt:

    Ich war selber bei der Sitzung anwesend und einmal mehr von unserem Bürgermeister enttäuscht. Von den Taschenspielertricks möchte ich gar nicht erst reden. Viel mehr geht es darum, dass uns ernsthaft erzählt wird, dass ein Antrag, den wir einen knappen Monat vor Ende der Einreichungsfrist stellen noch Erfolg haben soll. Das kann doch wirklich keiner glauben. Das Geld ist doch schon längst verteilt und wir werden nichts davon abbekommen. Auch die Verwaltung darüber geschwiegen, dass das ganze Verfahren auf 40 Millionen gedeckelt wird und darüber hinaus nichts mehr investiert wird. Das kann dazu führen, dass das Geld aufgebraucht ist, wenn es an den Einbau der Rutsche gehen soll und wir dann keine Rutsche mehr haben werden. Ich finde dies zeigt einmal mehr, wie wenig transparent unsere Stadtverwaltung ist. Ich würde mir sehr wünschen, dass ich das ändert, spätestens nach der Kommunalwahl.

  • Georg Braunroth CDU . Butteramt sagt:

    Herr Silbermann sollte erklären, wie er sich das Offenhalten vorstellt??
    Bei den enormen Umbaumaßnahmen kann ein Unfall Kosten in Millionenhöhe
    Verursachen

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