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Hochwasser in Wunstorf

24.12.2023 • Redaktion • Aufrufe: 12288

+++ In Wunstorf steigen die Pegelstände von Westaue und Leine. +++ Feuerwehr überwacht Lage und bereitet Sandsäcke vor +++ Überschwemmungen in Idensen +++

24.12.2023
Redaktion
Aufrufe: 12288

Wunstorf (as/ds/nd/dd/ms). Seit dem gestrigen Samstag verschärft sich die Lage in der Stadt: Zu Heiligabend droht der Stadt eine Hochwasserlage. Wir berichten über die aktuellen Entwicklungen. Dieser Bericht wird weiter aktualisiert.

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Die Auedämme entlang der Westaue in der Wunstorfer Kernstadt wurden am 27. Dezember für das Betreten gesperrt. Zum Schutz der Menschen und der Deichanlagen dürfen die Wege nicht mehr genutzt werden. Die Polizei kontrolliert stichprobenhaft.

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Die Stabilisierungsmaßnahmen am Mittwoch an der Luther Kläranlage waren erfolgreich. Über 200 Feuerwehrleute verlegten Tausende von Sandsäcken. Der Erdwall zwischen Betriebsgelände und Leine-Hochwasser konnte damit vorerst gesichert werden. Aktuell ist die Lage unter Kontrolle. Am Donnerstagmorgen werden die Arbeiten fortgesetzt. Eine Nachtwache ist eingerichtet, so dass bei Problemen innerhalb von 20 Minuten neue Kräfte in den Einsatz geschickt werden können.

Weitere Sandsäcke werden aufgebracht | Foto: Daniel Schneider

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Die Lage an der Kläranlage Luthe spitzt sich zu. Die Feuerwehr bereitet für Mittwoch, 27. Dezember, einen Großeinsatz vor. Tausende Sandsäcke sollen die Kläranlage vor den Wassermassen schützen.

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Der Pegelstand der Westaue stabilisiert sich derzeit (26.12.) auf hohem Niveau und steigt vorerst nicht weiter. Für die Leine wird für den 27. Dezember jedoch ein weiterer Anstieg erwartet. Verschärfend kommt hinzu, dass in den kommenden Tagen weiteres Wasser aus dem Harz herandrängt. Die Innerstetalsperre ist übervoll und wird derzeit entlastet, so dass weitere Wassermassen in die Leine Richtung Region Hannover fließen. Die Region Hannover hat als weitere Vorsichtsmaßnahme die Regionseinheiten des Katastrophenschutzes unter Einsatzvorbehalt gestellt. Damit wird es möglich, schnell Rettungskräfte zu mobilisieren, um z. B. auch Evakuierungen durchführen zu können.

Überlaufturm der Innerstetalsperre im Harz (Archiv) | Foto: Daniel Schneider

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26. Dezember: Die Straßenverbindung zwischen Blumenau und Bordenau ist nun ebenfalls für den Verkehr gesperrt.

Brücke nach Neustadt gesperrt | Foto: Deppe/Dombrowski

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25. Dezember: Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD) spricht von einer großflächigen Überschwemmungslage, große Wassermengen fließen auf das Stadtgebiet zu. Der Einsatzstab beobachte die Entwicklung laufend. Zu den Schwerpunkten der Schutzmaßnahmen zähle die kritische Infrastruktur, darunter die Kläranlage Luthe und die Deiche der Westaue.

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Die Lage in der Region Hannover war am 1. Weihnachtsfeiertag stabil. Die Lage sei unter Kontrolle, hieß es aus der Regionsverwaltung. Die Pegelstände würden aktuell jedoch noch weiter steigen und hoch bleiben. Der Regionspräsident rief dazu auf, Hochwasser-Absperrungen nicht zu ignorieren, um Einsatzkräfte nicht zusätzlich zu binden.

Die Feuerwehr kontrolliert die Deiche entlang der Westaue in Wunstorf | Foto: Malte Süß

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Der Krisenstab in Wunstorf wurde am Nachmittag des 24. Dezember aufgelöst, als die Zahl der Notrufe stark zurückging. Insgesamt arbeiteten die Feuerwehren, die letztlich allesamt im Einsatz waren, 30 Einsätze im Stadtgebiet ab. Entlang der Flüsse blieb alles unter Kontrolle. Am morgigen 1. Weihnachtstag soll die Lage weiter beraten werden, denn es ist mit weiterhin steigenden Pegelständen an Aue und Leine zu rechnen.

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Die Feuerwehr bittet darum, die Notrufnummer 112 für Notfälle freizuhalten: Sofern keine weitere Gefahr drohe, seien wenige Zentimeter Wasserstand in Gebäudekellern kein Einsatzgrund für die Feuerwehr. Der Notruf sei in Wunstorf an Heiligabend mit Bagatellanrufen oft minutenlang für Notfälle blockiert gewesen.

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In Rodenberg wurde in der vergangenen Nacht (auf den 24. Dezember) Hochwasseralarm ausgerufen: Eine amtliche Warnmeldung ging an die gesamte Bevölkerung. Grund: Das Hochwasser in der Rodenberger Aue drohte die Innenstadt zu überfluten. Gebäude werden mit Sandsäcken gesichert. Feuerwehren aus weiten Teilen Schaumburgs sind dort im Einsatz. Die Rodenberger Aue mündet vor Mesmerode in die Wunstorfer Westaue.

Im Bereich Rodenberg hatte man in der Nacht diese Warnung auf den Handys | Foto: Daniel Schneider

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Für Westaue meldet die Messstation des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz mittlerweile Warnstufe 3 – Rot. Gestern hatte noch Warnstufe 2 (orange) gegolten.

Das bedeutet Warnstufe 3: Überschwemmungen größerer Flächen sind möglich, einzelne Grundstücke und Keller sowie Straßen können überflutet werden. Bei der darunterliegenden Warnstufe 2 sind Häuser und Keller normalerweise noch nicht in Gefahr. 

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Vorsorgliche Maßnahmen: Die Feuerwehr hat begonnen, Sandsäcke zu befüllen, um im Ernstfall vorbereitet zu sein. Aktuell besteht jedoch keine Gefahrenlage. Es handelt sich um rein vorbereitende Tätigkeiten. Für den Fall, dass sich die Lage an Westaue und Leine zuspitzt, will man gewappnet sein.

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Die Einsatzkräfte haben die Einsatzzentrale besetzt und einen Krisenstab in der Wunstorfer Feuerwache in der Barnestraße gebildet, vor Ort ist auch der Bürgermeister. Die Einsatzleitung überwacht die Geschehnisse in der Stadt, um im Ernstfall schnell eingreifen zu können. Die Lage an den Deichen wird auch per Drohne aus der Luft überwacht.

Die Feuerwehr pumpte bereits in den vergangenen Tagen Wasser ab | Foto: Feuerwehr Wunstorf

Von den 10 Feuerwehren der Stadt befinden sich aktuell (Sonntagmittag) 8 im Einsatz, sagte Feuerwehrsprecher Marvin Nowak der Auepost. Keller werden ausgepumpt.

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In Idensen, vor allem Idensermoor, heißt es seit gestern an vielen Stellen: Land unter. Das Problem sind hier nicht die Flüsse, sondern der ergiebige Niederschlag der vergangenen Tage, was auf eine besondere Bodenstruktur trifft. Felder stehen auf hunderten Quadratmetern unter Wasser, es haben sich regelrechte Seenlandschaften gebildet. Das Wasser drohte viele Häuser zu erreichen. Straßengräben in Idensen, Idensermoor, Bokeloh und Mesmerode sind bis zum Rand gefüllt.

Das ist nicht das Steinhuder Meer: Überschwemmte Felder aus Blickrichtung Idensen nach Bokeloh | Foto: Achim Süß

Das Technische Hilfswerk ist seit gestern vor Ort und unterstützt die Arbeit der Feuerwehren. Aktuell entspanne sich die Lage im Bereich Idensen etwas, hieß es vonseiten der Feuerwehr, das THW soll in Kürze wieder abgezogen werden.

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siehe auch: Westaue tritt über die Ufer
siehe auch: Straßen und Wege in Wunstorf werden unpassierbar
siehe auch: Seit 40 Jahren nicht gesehen: Wunstorf unter Wasser
siehe auch: Situation an Kläranlage kritisch
siehe auch: Auedämme weichen auf - Passanten ignorieren Sperrungen
siehe auch: Sandsäcke mit Blaulicht unterwegs
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Kommentare


  • Grit D. sagt:

    Seit meinen Umzug 2020 in die Hagenburgerstrasse lebe auch ich ziemlich direkt an der Aue.

    Im vergangenen Jahr hatte ich mich mit einem möglichen Abschluss einer #Elementarschäden-Versicherung auseiander gesetzt und mich dahingehend bei der #VGH, über die ich auch die seitens meines Vermieters verlangte Hausrat- und Haftpflichtversicherungg abschloss, informiert.

    Als mir seitens des Agentur-Leiters mitgeteilt wurde, dass meine Wohnung in einem von der Versicherung als „Risikobereich eingestuften Bereich liegt, ich dementsprechende hohe Beiträge zu zahlen hätte, nahm ich vom Abschluss Abstand.

    Es mag naiver Denke oder gar Realitäts-Verleugnung entsprechen,doch halte ich es seitdem wieder mit „wird schon gutgehen“.

    Als ich in den Vertragsbedingungen lesen musste, dass ich in Bezug auf meinen zur Wohnung gehörenden Kellerraum viel sehr viele Sicherungsvorkehrungen zu treffen hätte, die mir auf dem Hintergrund meiner gesundheitlichen Einschränkungen nicht umzusetzen sind, halte ich es mit ‚Prinzip Hoffnung‘.
    Hier vielleicht nicht die schlechteste Wahl.

    • Wunstorferin sagt:

      In der Hindenburgstraße befindet sich kein einziges Privathaus, für das „Risikogebiete außerhalb von Überschwemmungsgebieten (§ 78 b WHG)“ zutreffend wäre.
      Nur der vorwiegend nördliche Bereich der Gustav-Kohne-Straße, der zur Psychiatrie gehört, ist Risikogebiet.
      Darüber hinaus sind nur das Gewerbegebiet südlich der Hagenburger Straße und das Viertel der IGS, südlich des Bahndammes Risikogebiet, was die Kernstadt betrifft.

    • - sagt:

      Interessant

    • Luise M. sagt:

      Zur Entstehungszeit Wunstorfs wurde die Landschaft genauestens bezüglich des jährlichen Winterhochwassers beobachtet und Siedlungsgebiet dort geschaffen, wo sehr wahrscheinlich kein Hochwasser zu erwarten ist. Das kann man gut am Altstadkern (ist quasi eine Warft), Gut Dündorf, Schloss Bokeloh, wie dem Gehöft Ecke Hagenburger Straße/ Straße nach Bokeloh sehen.
      Erst später hat man wohl aus Profitgier auch in bekanntem Risikogebiet gebaut.
      In Luthe betrifft das z.B. „Im Damme“ & Dammstraße, obwohl dort schon die Straßennamen Auskunft geben, wenn man aufmerksam ist.

  • Basti g. sagt:

    Seit 3 Tagen wird versucht in idensen eine Wiese von Wasser zu befreien also im Ernstfall ist das wohl zu lange ! Denke die thw braucht größere pumpen oder ein anderes System denn so wird das nix

  • Grit D. sagt:

    Meiner ganz persönlichen Ansicht nach sollte dazu gestanden werden, wenn sich mächtig geirrt wurde, was selbstverständlich auch für mich selbst zu gelten hat!

    Hier dahingehend, dass ich bezüglich meines „wird schon gut gehen“ krachend gegen die Wand fahren musste:
    nach einer Nachricht an mich in WhatsApp am Morgen ging ich in meinen Kellerraum und musste feststellen, dass so etliches über die Weihnachtatage’nasse Füße‘ bekam.

    Nun könnte mir natürlich um meine Ohren gehauen werden= Arroganz wird bestraft. Stimmte ja auch!

    Doch ich denke, dass ich nicht zuletzt über die nun notwendigen Auseinandersetzungen mit meiner Hausverwaltung das ausreichende Pfund an Quittung bekommen haben werde- oder?

  • Grit D. sagt:

    Wenn sich mit einer Einschätzung geirrt wurde, sollte meiner Ansicht dazu gestanden werden.
    Gilt somit selbstverständlich auch für mich selbst.

    Konkret:
    musste mit in meinem Kommentar vom 24.12. erwähnten „wird schon gutgehen“ und „Prinzip Hoffnung“ mächtig gegen die Wand fahren:
    beim Gang am heutigen Vormittag in meinen Kellerraum wurde ich in Form dortigen Nässeschäden eines Besseren belehrt.

    Mmmh: wie war das mit „Hinterher ist man immer schlauer“?- Stimmt!

    • Merle sagt:

      „Mmmh: wie war das mit „Hinterher ist man immer schlauer“?- Stimmt!“

      Wann ist denn endlich „Hinterher“?

      • Grit D. sagt:

        @Merle
        Nach meiner (!) Definition ist „Hinterher“, wenn man die Konsequenzen des „in die eigene Falle getappt“ zu sein zu spüren bekommt- zu Recht zu spüren bekommt.
        Ob das dann ‚Weisheit‘ lehren wird, dürfte einmal mehr individuell ausfallen…

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