Wunstorf rückt nach rechts

Die CDU ist auf kom­mu­na­ler Ebe­ne wei­ter­hin stärks­te Kraft in Nie­der­sach­sen – und die SPD domi­niert wei­ter­hin in Wunstorf. So weit ist alles beim Alten geblie­ben. Doch Ver­än­de­run­gen gibt es nach der Kom­mu­nal­wahl 2016 den­noch zur Genü­ge: Die AfD wird dritt­stärks­te Kraft und Rot-Grün ver­liert die Mehr­heit im Stadt­rat.

Hinweiszettel an einem Wunstorfer Wahllokal | Foto: Daniel Schneider
Hin­weis­zet­tel an einem Wunstor­fer Wahl­lo­kal | Foto: Dani­el Schnei­der

Bis tief in die Nacht wur­den die Stim­men in Wunstorf aus­ge­zählt, ein Wahl­lo­kal ließ sich dabei beson­ders lan­ge Zeit. Erst gegen 1.00 Uhr nachts tru­del­ten die letz­ten Zah­len ein und das vor­läu­fi­ge Ergeb­nis stand fest. Danach war end­gül­tig klar: Die Wäh­ler­schaft in Wunstorf ist deut­lich nach rechts gerückt, bleibt aber links. Das klingt zunächst para­dox, beschreibt den Aus­gang der Wahl am Sonn­tag jedoch tref­fend.

Rot-Grün ver­liert

wunstorfwaehlt

Denn SPD und Grü­ne ver­lie­ren bei­de stark in der Wäh­ler­gunst und büßen die Mehr­heit im Stadt­rat ein – wie z. B. auch in Han­no­ver, wo der Stadt­rat zum ers­ten Mal seit 1989 die rot-grü­ne Mehr­heit ver­liert. Auch in der Regi­ons­ver­samm­lung hat die­ses Bünd­nis künf­tig kei­ne abso­lu­te Mehr­heit mehr. In der Regi­on ist nun Ampel- oder gro­ße Koali­ti­on ange­sagt. Eine rot-rot-grü­ne Mehr­heit kommt eben­falls knapp nicht zustan­de – wäre in Wunstorf jedoch denk­bar.

Im Wunstor­fer Rat muss man sich daher künf­tig Gedan­ken um neue Alli­an­zen machen. „Gewon­nen“ nach Stim­men­an­tei­len hat die Wahl die SPD, dazu­ge­won­nen haben jedoch allein die Links­par­tei mit 0,3 und die FDP mit 0,2 Pro­zent­punk­ten. Die CDU ver­liert mit einem Pro­zent­punkt eben­falls, jedoch nicht so dra­ma­tisch wie die SPD und Grü­ne, die 4,3 und 6 Pro­zent­punk­te ein­bü­ßen. Den­noch bleibt die SPD im Rat die stärks­te Kraft mit 38,6 Pro­zent – und gewinnt in abso­lu­ten Zah­len sogar Stim­men hin­zu.

Aus­zäh­lungs­kri­mi am Wahl­abend

Die Kom­mu­nal­wahl war eine der span­nends­ten der letz­ten Jahr­zehn­te, denn mit dem erst­ma­li­gen Antre­ten der AfD war zugleich die Fra­ge ver­bun­den, ob und wie die Par­tei sich in Nie­der­sach­sen eta­blie­ren und die bestehen­den Mehr­heits­ver­hält­nis­se durch­ein­an­der­wir­beln wür­de.

Ergebnis der Wunstorfer Stadtratswahl in Prozent | Graphik: Auepost
Ergeb­nis der Wunstor­fer Stadt­rats­wahl in Pro­zent | Gra­phik: Aue­post

Der Trend zeich­ne­te sich bereits früh am Wahl­abend ab, die AfD schien aus dem Stand dritt­stärks­te Kraft im Stadt­rat zu wer­den. Wäh­rend des „Zähl­renn­nens“ lag sie zwi­schen­zeit­lich über 11 Pro­zent, nach Aus­zäh­lung aller Stim­men waren es schließ­lich 10,2 Pro­zent für die AfD – knapp vor den Grü­nen (9,7 %), die somit tat­säch­lich auf Platz vier ver­wie­sen wur­den. Auch die FDP schien sich zunächst ein Duell mit den Grü­nen zu lie­fern, fiel dann aber auf 5,4 Pro­zent zurück. Somit ist die AfD auch in Wunstorf zu einer neu­en poli­ti­schen Grö­ße gewor­den und hat das ange­peil­te lan­des­wei­te Wahl­ziel von 10 Pro­zent zumin­dest in Wunstorf sogar über­trof­fen.

Der Rechts­ruck geht somit zu einem gro­ßen Teil auf das Kon­to der AfD. Die Gegen­über­stel­lung zur ver­gan­ge­nen Wahl 2011 zeigt ein deut­li­ches Bild: Die Par­tei­en der Mit­te, aus­ge­nom­men die FDP, haben Wäh­ler ver­lo­ren – die lin­ken und rech­ten Par­tei­en gewin­nen Stim­men hin­zu. Denn auch auf lin­ker Sei­te gab es Zuwäch­se: Die Links­par­tei kam auf ein leich­tes Plus von 0,3 Pro­zent.

Mehr Wunstor­fer gin­gen wäh­len

Wo die Stim­men für die AfD her­kom­men, lässt sich nicht mit Bestimmt­heit sagen, jedoch gibt es eini­ge Indi­zi­en, die den Spe­ku­la­tio­nen Nah­rung geben. So ist etwa die Wahl­be­tei­li­gung von zuletzt 53,3 bei der Stadt­rats­wahl 2011 auf nun­mehr 59,6 Pro­zent gestie­gen. Mög­lich scheint, dass ehe­ma­li­ge Nicht­wäh­ler durch die neue „Alter­na­ti­ve“ zu Wäh­lern wur­den. Addiert man die Ver­lus­te von SPD und Grü­nen, erhält man zudem fast genau das Ergeb­nis der AfD.

Leichte Zuwächse für FDP und Linkspartei, große Verluste für Rot/Grün. Die AfD gewinnt aus dem Stand 10,2 Prozent. | Graphik: Auepost
Leich­te Zuwäch­se für FDP und Links­par­tei, gro­ße Ver­lus­te für Rot/Grün. Die AfD gewinnt aus dem Stand 10,2 Pro­zent. | Gra­phik: Aue­post

Fast sicher scheint, dass es auch die Flücht­lings­de­bat­te war, die der AfD auch in Wunstorf einen Groß­teil des Wahl­er­folgs beschert hat, dabei war Asyl­po­li­tik gar nicht das The­ma der Wunstor­fer AfD. Doch wäh­rend des Wahl­kamp­fes an nahe­zu allen Wahl­stän­den, wo die Par­tei­en das Gespräch mit den Bür­gern such­ten, ließ sich bereits beob­ach­ten, dass dies gera­de vor Ort eine der bestim­men­den Fra­ge­stel­lun­gen war – trotz der gera­de­zu vor­bild­haf­ten Inte­gra­ti­ons­be­mü­hun­gen der Stadt in den letz­ten Mona­ten.

Regi­on: AfD in Wunstorf durch­schnitt­lich

Für die Regi­ons­ver­samm­lung bekam die AfD aus Wunstorf noch mehr Stim­men als für den Stadt­rat, näm­lich 10,7 Pro­zent – was in der Sum­me auch dort zum Ver­lust der rot-grü­nen Mehr­heit führt. Sowohl in Wunstorf als auch in der Regi­on Han­no­ver lie­gen die Wer­te der Afd somit deut­lich über dem nie­der­sach­sen­wei­ten Durch­schnitt von 7,8 Pro­zent.

Betrach­tet man nur die ein­zel­nen Regi­ons­er­geb­nis­se, liegt Wunstorf etwa in der Mit­te beim AfD-Zuspruch. Noch mehr Stim­men bekam die AfD in Neu­stadt (12,3 %) Garb­sen (12,8 %), Bar­sing­hau­sen (10,9 %), Laat­zen (12,5 %), Lehr­te (10,9 %), Sehn­de (11,6 %), Seel­ze (12,1 %) Ron­nen­berg (13,3 %) und Lan­gen­ha­gen (13,3 %). Den gerings­ten Erfolg ver­buch­te die AfD in Burg­we­del (8,4 %), gefolgt von Han­no­ver und Hem­min­gen (jeweils 8,8 %).

Eben­so dra­ma­tisch wie in Wunstorf sieht es für SPD und Grü­ne auch auf Regi­ons­ebe­ne aus: Hier ver­liert die SPD 5,2 und Bünd­nis 90/Grüne 5,4 Pro­zent­punk­te – und damit deut­lich Sit­ze in der Regi­ons­ver­samm­lung. Die FDP wie­der­um kann sich über einen Zuwachs um 2,3 Pro­zent­punk­te freu­en und ist damit nun mit 5,4 Pro­zent genau­so stark wie im Wunstor­fer Stadt­rat. Die Links­par­tei wächst eben­so wie die FDP um 2,3 Pro­zent­punk­te.

Am Ran­de

Inter­es­sant: „Ein­zel­kämp­fer“ Ste­fan Sau­er, der für den Stadt­rat als auch für den Orts­rat Wunstorf kan­di­dier­te, kam für letz­te­ren mit 1,4 % immer­hin knapp auf die Hälf­te der Stim­men der Par­tei mit dem gerings­ten Ergeb­nis (Die Lin­ke: 2,9 Pro­zent) – und das, ohne einen Wahl­kampf geführt oder die Unter­stüt­zung einer Par­tei im Rücken gehabt zu haben. Im Stadt­rat woll­ten Ste­fan Sau­er aller­dings nur 0,6 Pro­zent der Wäh­ler sehen.

- Anzeige -
Unterstütze die Auepost auf Steady

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.