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Hinter dem Aufblühen schwelt der Konflikt

20.03.2023 • Achim Süß • Aufrufe: 1521

Die städtische Wirtschaftsförderung ist zwischen die Fronten der Interessen aus Innenstadt-Händlerschaft und Politik geraten. Neue Aktionen kaschieren den Konflikt, der sich nach wie vor um die Parkplatzfrage dreht.

20.03.2023
Achim Süß
Aufrufe: 1521
Hüpfspiel-Schlange in der Wunstorfer Fußgängerzone (Archiv)

Wunstorf (as). Der Spagat der Stadtverwaltung zwischen Stärkung der Innenstadt, Internethandel und lokalem Einkaufsbummel, Plakatwerbung und sozialen Medien ist seit Monaten Thema – öffentlich und in internen Runden. Zuschüsse gibt es ebenso reichlich wie Ideen, aber Interessen und Möglichkeiten derjenigen, denen die Kraftanstrengungen gelten, sind so unterschiedlich wie das Warenangebot im Zentrum. Hyperaktive Bloggerinnen, die ihre Geschäftsideen in immer neuen Posts an die Frau und den Mann bringen wollen, agieren neben Traditionalisten, die nichts am Hut haben mit Internet-Handel.

Dass sich das auch mit öffentlichem Geld nicht erfolgreich zusammenbringen lässt, musste die Stadtverwaltung ebenso erkennen wie die Marketing-Experten der hannoverschen Agentur dreizehn+vier. Besonders für Bürgermeister Carsten Piellusch war das eine Enttäuschung: Ein digitales Kaufhaus stand seit dem Wahlkampf 2021 ganz oben auf seiner Agenda.

Partnerschaft droht zu scheitern

Bitter sind die Erfahrungen auch für Uwe Schwamm. Der Wirtschaftsförderer – seit 30 Jahren in und für Wunstorf aktiv – kann angesichts der diversen Fördertöpfe Ideen in Projekte umsetzen wie kaum zuvor. Die Aktivitäten aus dem Rathaus lösen bei der Werbegemeinschaft aber weniger Applaus aus als Misstrauen und Skepsis. Schwamm ist ungewollt zwischen die Mühlsteine kommunaler Förderpolitik und wirtschaftlicher Partikularinteressen geraten. Die lange Partnerschaft droht zu scheitern, denn ein Thema überschattet derzeit alles: das Parken in der Innenstadt.

Schwamm, Citymanagerin Tanja Berg, Agentur-Chef Stefan Schmädeke und nicht zuletzt Piellusch machen aus der Not eine Tugend: Themenwochen zu Weihnachten und Konfirmation wurden entworfen und auf allen möglichen Kanälen propagiert. Jetzt „blüht Wunstorf auf“.

Parkplätze zu Ostern kein Thema

Parkplätze und -gebühren sind kein Thema bei einer Information zum Stadtmarketing am vergangenen Freitag. Auch die Friktionen zwischen Rathaus und Werbegemeinschaft Wunstorf (WGW) spielen keine Rolle. Der Dissenz ist dennoch offenkundig: Der Vorstand – zu Beginn der Kampagne für ein Digitales Kaufhaus noch beim Pressegespräch vertreten – ist neuerdings bei solchen Gelegenheiten nicht mehr dabei. Bürgermeister Piellusch sieht darin kein Problem: Es gebe eine „gut ausgeprägte Schnittmenge“ bei den Aktionen für die Innenstadt. Piellusch: „Worüber wir uns freuen.“

Die Gemeinschaft bereitet zurzeit unter anderem einen Flohmarkt, die Maibaum-Aktion und den Auftritt der „Pfundskerle“ in der Innenstadt vor. Derweil stocken die vertraulichen Gespräche über das Parken, um die sich die WGW bemüht: Ein vereinbartes Treffen zwischen WGW-Vorstand und SPD-Ratsfraktion ist abgesagt worden.

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Kommentare


  • G. Taro sagt:

    „Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selber.“ Dieses Zitat von Karl Schiller (ursprünglich dem Ökonomen John Maynard Keynes zugeschrieben) skizziert wohl ganz gut die kleinstädtische Situation in W…torf. Tausende EURO an Fördermittel (letztlich Steuermittel von uns Bürgern) wurden verbrannt, um – ja, warum , mit welcher Zielsetzung eigentlich?

    Die Angebote, die die Stadtverwaltung der wunstorfer Kaufmannschaft offerierte, wurden verschmäht. Man hat kein Bock auf frische Ideen, man suhlt sich lieber im Unverstandensein. Und, meine sehr geehrten Damen und Herren der Werbegemeinschaft, die Annahme, dass ein Mehr an Parkmöglichkeiten gleichbedeutend ist mit explodierenden Umsätzen, ist ein Trugschluss! Parkmöglichkeiten sind hinreichen vorhanden. Was fehlt, sind kreative Strategien zur Vermarktung guter Produkte und Dienstleistungen. Früher hieß das engagiertes Unternehmertum.

    Und die Akteure der Stadtverwaltung? Die Gesichtszüge auf dem Foto zum Artikel „Wunstorfer Innenstadtmarketing meister den Online-Offline-Spagat“ (vom 14.03.2023) sprechen Bände. Resignation pur.

    Wunstorf braucht eine kompetente Pferdeflüsterin bzw. einen kompetenten Pferdeflüsterer. Vielleicht saufen dann die Pferde.

  • E. Schreiber sagt:

    @ G. Taro

    Ein langer Kommentar von Ihnen. Schön mit einem „schlauen“ Zitat.
    Dabei haben sie offenbar weder von den Aktivitäten der Verwaltung noch vom Handel bzw. der Händlerschaft Ahnung.

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