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Mordfall Wunstorf: Das stand in den Erpresserbriefen an Wunstorfer Familien

03.05.2023 • Redaktion • Aufrufe: 7377

Skizzen in der Schule: Die Tötung eines Wunstorfer Schülers war im Detail geplant. Und schon vor der Tat war der gleichaltrige mutmaßliche Täter polizeibekannt. Nun bestätigte sich: zuvor aufgetauchte Epresserbriefe sind echt, der Jugendliche soll es selbst gewesen sein, der darin Tötungen und Entführungen von Kindern androhte. Die Drohungen wurden nicht ernst genommen – bis Jan N. verschwand. Der Inhalt der Dokumente schockiert.

03.05.2023
Redaktion
Aufrufe: 7377
Morddrohung (Symbolbild)

Wunstorf (red). Manche in der Stadt können sich schon nicht mehr daran erinnern, in welchem Monat die Tat geschah. Jan N. wurde im Januar getötet, die Tat liegt nur knapp vier Monate zurück, aber scheint gefühlt schon weiter weg. Das Opfer ist beerdigt, die Trauerfeiern vorbei. Die Stadt ging zwar nicht zur Tagesordnung über, es fand und findet weiter Bewältigungsarbeit statt, aber das Vergessen schien bereits einzusetzen. Blumen und Kuscheltiere sind abgeräumt, die Gespräche ebbten ab.

Am Tag der Beisetzung hatte die Polizei die Trauergesellschaft abgeschirmt, um den Angehörigen nach der Trauerfeier einen ungestörten Weg zur Grabstätte auf dem Friedhof zu ermöglichen. Negative Erfahrungen mit aufdringlichen Reportern hatte zuvor der Bürgermeister öffentlich gemacht.

Nun rückt die Tat wieder in den Mittelpunkt, da die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hat. Erneut kommt Wunstorf damit deutschlandweit in die Medien, das öffentliche Interesse bleibt groß. Im Rahmen der Anklageerhebung, mit der die Justiz die Aufarbeitung und Ahndung der Tat in Gang setzt, kommen neue Details ans Licht.

Vorher Erpresserbriefe an viele Familien

Nach Informationen der Auepost haben die Beamten des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) in Hannover schon schnell nach dem Tod von Jan N. nicht nur wegen des Gewaltdelikts – der Mordvorwurf wird seit der Verhaftung aufrechterhalten – ermittelt. Sie sind auch Informationen und Hinweisen nachgegangen, in denen es um Erpresserschreiben an Wunstorfer Familien ging. Insgesamt 12 Familien in der Stadt erhielten einen maschinell verfassten Brief, der stets Geldforderungen stellte. Die Drohungen, mit denen die Forderungen untermauert werden, variieren.

„Wir wissen, dass Sie Kinder haben …“

In einem der Erpresserbriefe, der die Adressaten in einem mit Todessymbol verzierten und sonst unbeschrifteten Briefumschlag erreichte, wird den Kindern der Familie beispielsweise körperliche Gewalt, Entführung und Ermordung angedroht, um die Eltern zur Zahlung einer geringen Summe zu bewegen. „200 Euro in vier 50-Euro-Scheinen“ sollten an einen Spielplatz in Blumenau gelegt werden, wird darin gefordert. Es ist der Spielplatz, in dessen Nähe Jan N. später getötet wurde.

Polizei wusste von den Briefen

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft ging niemand der so Angeschriebenen auf die Forderung ein, der erkennbar in kindlichem Stil verfasste Erpressungsbrief wurde nicht ernst genommen. Jedoch informierten mehrere Familien die Polizei über den Erpressungsversuch. Im Dezember 2022 und Januar 2023 waren die Briefe eingeworfen worden.

Einer der Erpresserbriefe, die dem Angeklagten zugerechnet werden | Quelle: privat

Diese Schreiben waren den Ermittlern daher nicht neu. Sie wurden frühzeitig mit dem mutmaßlichen Täter in Verbindung gebracht. Offenbar auch deshalb war der 14-Jährige so schnell nach dem Verschwinden von Jan N. in den Blick der Polizei geraten und befragt worden. Die Einsatzkräfte hatten den zu diesem Zeitpunkt schon toten Jungen daraufhin zunächst im Luther Forst statt am tatsächlichen Tatort in Blumenau gesucht.

Tat akribisch vorbereitet, Schule unwissend

In der IGS, der Wunstorfer Schule, auf der mutmaßlicher Täter und Opfer in einem Jahrgang waren, war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, dass der nun Angeklagte bereits wegen gravierender Delikte aktenkundig war. Erst danach waren dann in der Schule Aufzeichnungen gefunden worden, die nach Informationen der Auepost belegen, wie lange, detailliert und präzise die Tötung eines Mitschülers geplant und vorbereitet wurde.

Die IGS hat das Verbrechen in etlichen internen Veranstaltungen zum Thema gemacht. Zuletzt hat Dr. Lutz-Ulrich Besser, der Gründer und Leiter des Zentrums für Psychotraumatologie und Traumatherapie Niedersachsen, über die Gefahren von Verrohung und Gewaltdarstellung im Internet, auf Mobiltelefonen und in Computerspielen gesprochen. Der Dozent und Trainer ist ein weltweit tätiger Experte in Allgemeiner und Spezieller Psychotraumatologie und traumazentrierter Psychotherapie.

Nun legt sich der Fokus auf die strafrechtliche Aufarbeitung. Sollte die Schuldfähigkeit – die bei Jugendlichen immer besonders geprüft wird – nicht in Zweifel stehen, kann bei Verurteilung nach Jugendstrafrecht eine Haftstrafe von maximal 10 Jahren verhängt werden.

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Kommentare


  • Marc H. sagt:

    Hattet ihr nicht geschrieben, dass ihr nicht mehr darüber berichten wollt?? Und jetzt berichtet ihr lang und breit darüber und veröffentlicht sogar die angeblichen Erpresserbriefe, die er vorher verfasst und verschickt haben soll – mit Fotos davon?
    Der sieht so schon und akurat sauber geknickt und ausgedruckt aus, den habt ihr Euch doch fürs Foto selber gemacht, oder?!

    • Wunstorfer Auepost sagt:

      Wir hatten geschrieben, dass wir uns nicht an Spekulationen über Todesumstände beteiligen. Über Fakten berichten wir, selbstverständlich gründlich. Die Echtheit der Erpressungsbriefe wurde uns von der Staatsanwaltschaft Hannover bestätigt, das Foto ist authentisch.

  • Michi Pape sagt:

    Wie hat man sich das in Bezug auf die IGS vorstellen, dass „erst nach und nach dann in der Schule Aufzeichnungen gefunden worden waren, die belegen, wie lange, detailliert und präzise die Tötung eines Mitschülers geplant und vorbereitet wurde“? In der Kunstmappe, Schmierereien auf dem Tisch oder wie? Wie kann so etwas „erst nach und nach“ auftauchen?! Klingt irgendwie komisch und verstehe ich nicht so richtig. Könnte die Auepost in Bezug auf diesen Passus im Artikel bitte für Aufklärung sorgen?

  • Grit D. sagt:

    Bei der Verrohung des Bengel, sowie dessen gezeigten kriminellen Energie werde ich dann doch zur Freundin der „schwingenden Rechtskeule“ und hoffe sehr, dass dieser … (Netiquette!) tatsächlich die Höchstrafe erhalten wird und die vollen 10 Jahre wird auch absitzen müssen.

  • Wunni sagt:

    Und was ist jetzt die Stellungnahme der Polizei, die wegen der Morderpressungsbriefe vor dem Mord ermittelt hat? „Wer hätte gedacht, dass der Jugendliche kriminell ist“ oder wie?

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