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Wie der Poetry Slam nach Wunstorf kommt

05.03.2023 • Redaktion • Aufrufe: 1443

Am kommenden Samstag wird Wunstorf zur Poetry-Slam-Stadt. Wieso Veranstalter Tilman Döring von Wunstorf nicht enttäuscht ist, was ihn am Format begeistert und was er von berühmten Kollegen hält, hat er der Auepost verraten …

05.03.2023
Redaktion
Aufrufe: 1443
Tilman Döring | Foto: privat/Alina Ahrens

Wunstorf (red). Man könnte fast meinen, Wunstorf ist drauf und dran, den übrigen Städten in der Region den Rang als Kulturmetropole abzulaufen. Nationale und internationale Stars kommen wieder zum Kultursommer Open Air, das Stadttheater wird sogar bespielt, während es noch renoviert wird – und erstrahlt demnächst dann in neuem Glanz.

Mangel herrscht jedoch noch in einer speziellen Kategorie: dem Poetry Slam. Zwar gibt es zwei Lokalgrößen, die gerade dabei sind, sich in dieser Kunstgattung einen Namen zu machen, doch von außerhalb hat bislang noch kein Slammer den Weg in die Auestadt gefunden. Das ändert sich nun. Am 11. März wird die Wunstorfer Abtei zur Poetry-Slam-Bühne.

Hazel Brugger nannte die Kunstgattung einmal die „Paralympics der Literatur – interessiert keine Sau, nur die eigenen Eltern“. Als Teil ihres Poetry-Slam-Vortrages. Der Witz funktionierte nur, weil es schon damals nicht stimmte: Poetry Slam hat längst eine ganz neue Künstlergeneration hervorgebracht und viele andere entscheidend beeinflusst. Für manchen war der Poetry Slam das Sprungbrett zu einer Karriere.

Das Slammer-Menü ist angerichtet

Wortakrobatik, Wortwitz, Nachdenkliches, Lyrisches und in Versmaß Auf-den-Punkt-Gebrachtes: Poetry Slam hat die Poesie wieder cool gemacht. Es lebt vom Witz und vom Tiefsinnigen, vom Leichten und Schweren, vom direkten Humor, vom Überraschenden, von Versformen und Weisheiten und dem Alltag der Protagonisten. Und es wirkt dabei oft auch noch, als wäre es gerade ganz spontan vorgetragen. Die Freiheit im Vortrag schafft eine besondere Atmosphäre, der Charme des Improvisierten, Authentischen wird kaum so gut transportiert wie beim Poetry Slam.

Doch trotz jahrzehntelanger Tradition ist die Kunstgattung in Wunstorf noch eine recht junge Erscheinung – im doppelten Sinne. Es gibt in der Stadt zwei junge Künstler, die sich dem Poetry Slam verschrieben haben. Einer von ihnen, Jesper Schwarzer, wird auch am kommenden Samstag Teil der Veranstaltung sein: Organisator und Moderator Tilman Döring hat ihn eingeladen, dabei zu sein. Aber einen großen Dichterwettstreit, einen Poetry Slam in seiner ursprünglichen Bedeutung, das gab es noch nicht in Wunstorf – bis jetzt.

Döring wiederum ist alles andere als ein Neuling in der Branche, darf als alter Hase gelten. Mit seinem Label 3facherwortwert bringt er auch andere zum Poetry Slam auf die deutschsprachigen Bühnen. Warum er sich Wunstorf ausgesucht hat, das haben wir Döring persönlich gefragt:


Warum Poetry Slam in Wunstorf?

Ich finde es wichtig, dass Kultur nicht nur in den Metropolen, sondern eben auch in den kleineren Orten stattfindet, die sonst vielleicht weniger bis keinen Zugang zu Kultur hätten. Als Veranstalter bin ich neu in Hannover und war erstaunt darüber, wie viele Slams es in der Stadt gibt, und darüber, wie wenig in den umliegenden Orten. Wunstorf war mir von vornherein sympathisch, und bis jetzt bin ich nicht enttäuscht worden.

Wie bist du selbst zum Poetry Slam gekommen?

Poetry Slam ist, seit ich auf der Bühne stehe, mein Lieblingsformat. Es bietet unendlich viel Spielraum für alle Formen performativer Kunst. Schön ist auch, dass es beim Slam nicht zwingend lustig sein muss. Anders als auf Comedyformaten gibt es keinen „Lachzwang“. Die Sprache und das gesprochene Wort in all seinen Facetten stehen im Vordergrund. Das möchte ich den Menschen zeigen und freue mich, das jetzt auch in Wunstorf tun zu können.

Wie ist die Kooperation mit dem örtlichen Lese- und Kulturfestival zustandegekommen?

Das kam relativ spontan. Nicole Watermann-Ulrich hatte mich mal angesprochen, als sie mich bei einem Auftritt in Hannover gesehen hat, und mir ihre Karte dagelassen. Ich kam dann von allein auf Wunstorf zu, habe die Abtei angemietet und bin dann über Instagram wieder auf das Lesefestival gestoßen. Ich hätte das schon auch allein alles wuppen können, habe mir von der Stadt aber nochmal den Kontakt geben lassen, weil ich nach einer Plattform in Wunstorf gesucht habe. Ich kenne sonst niemanden in der Stadt. Wir haben dann telefoniert und uns gleich gut verstanden, und dann war sofort die gegenseitige Bereitschaft da, zu sagen: „Komm, da helfen wir.“ Deshalb machen wir das jetzt gemeinsam, zumal das ja thematisch einfach total gut irgendwie passt.

Wie geht es weiter in Wunstorf?

Natürlich ist es geplant, den Slam nicht nur einmalig zu machen. Wo kämen wir denn da hin? Es sind bereits zwei weitere Termine in der Abtei geplant. Wenn die gut laufen, wollen wir im besten Fall ins Theater umziehen.

Findest du es eigentlich schlimm, wenn beim Stichwort Poetry Slam alle erstmal nur an Hazel Brugger oder auch Julia Engelmann denken?

Ich würde sagen, das ist wie in jeder Kunstform oder Kultur – sie produziert ihre popkulturellen Superstars, und das wird manchmal von den Hardcore-Leuten ein bisschen beäugt. Das ist im Punk oder Hip-Hop ja irgendwie dasselbe. Hazel Brugger finde ich ganz, ganz, ganz fantastisch, wobei sie ja mittlerweile auch einfach weit keinen Slam mehr macht, sondern wirklich groß Comedy und Stand-up ganz viel. Julia Engelmann finde ich tatsächlich etwas schwierig, da sie ein bisschen … ich sag mal, den Kalenderspruchkitsch populär gemacht hat und jetzt Poetry Slam so ein bisschen in Verruf gerät. Aber sie hat natürlich auch mit ihrer Popularität viel Gutes getan. Ich weiß nicht, ob ich das schwierig finde oder schlimm, wenn Slam so assoziiert wird. Besser wär’s natürlich, wenn Slam mit mir assoziiert werden würde (grinst).

Am 11. März um 19.30 Uhr findet der 1. Poetry Slam Wunstorf in der Abtei statt.
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