
Während in anderen Kommunen Freibäder vorübergehend oder gar dauerhaft schließen müssen, haben Badegäste im Wunstorfer Stadtgebiet sogar die Auswahl unter mehreren Bädern: Das genossenschaftliche Freibad in Luthe ist ein Naturbad ohne Chlor in den Schwimmbecken. Und dann gibt es noch das städtische Freibad in Bokeloh als klassisches Freibad – mit gechlortem Wasser und mit Sprungturm.
Das Freibad, das heute das letzte verbliebene städtische Freibad ist, wurde 1972 gebaut und ist ebenfalls ein Kind der Gebietsreform. Denn auch in Bokeloh machte man der nahenden Zentralisierung durch die neu entstehende, größere Stadt Wunstorf noch einen Strich durch die Rechnung und schuf sich ein Schwimmbad direkt vor der eigenen Haustür, bevor man 1974 nach Wunstorf eingemeindet wurde.
Es ist dabei eine Ironie der Geschichte, dass Bokeloh heute das letzte gesamtstädtische Freibad ist – und Wunstorf tatsächlich in der Kernstadt kein zentrales Freibad mehr hat. Das hängt auch mit der besonderen Bauweise des Bokeloher Schwimmbades zusammen.
Ein Schwimmbadbesuch in Bokeloh ist immer auch eine kleine Zeitreise zurück in die 70er Jahre, denn der Originalzustand des Bades ist im Wesentlichen bis heute erhalten. Viele kleine Details versprühen weiter den Zeitgeist des damaligen Jahrzehnts und zeugen vom Stil, wie man damals Sport- und Freizeitbäder konzipiert hat.




Am Rande von Bokeloh liegt es idyllisch zwischen hohen alten Bäumen und verspricht typische Freibadatmosphäre mit verschiedenen Beckenanlagen und einer großzügigen Liegewiese. Dazu gibt es einen Blick auf den benachbarten Kaliberg. Von der B 441 abgehend führt die Steinhuder Straße direkt am Freibad vorbei. Über eine kleine Zufahrtstraße direkt vor dem unbeschrankten Bahnübergang erreicht man den Parkplatz und Eingang zum Freibad. Fußgänger gelangen auch direkt über eine Treppe am Hang zum Eingangsbereich.
Die Nähe zum Werksgelände des ehemaligen Bergwerks Sigmundshall ist dabei ebenfalls kein Zufall. Es ist bis heute der Grund, weshalb es das Freibad in Bokeloh überhaupt noch gibt. Denn das Freibadwasser wird mit Abwärme aus den dortigen Industrieanlagen beheizt. Die Wärme aus dem Bergbaukomplex sorgt seit Jahrzehnten für äußerst warmes Wasser im Freibad Bokeloh. Tatsächlich verfügt das Freibad über keinen Schornstein wie vergleichbare Bäder. Die Wärme wird nicht selbst produziert, kein Gas genutzt zur Beckenbeheizung.
Das machte den Betrieb kostengünstiger und nachhaltiger – bei einem gleichzeitig sehr attraktiven Badeangebot. Die Weichenstellung in Bokeloh erwies sich als vorausschauend. Das damalige „Schwesterbad“ in Luthe, ebenfalls Anfang der 1970er im selben Zeitgeist erbaut, wurde stattdessen teuer mit Öl beheizt. Es wurde nur rund 30 Jahre alt, noch vor dem älteren Wunstorfer Freibad dichtgemacht – und konnte nur als Naturbad überleben.



Das wärmere Wasser im Freibad Bokeloh ist ein Alleinstellungsmerkmal in der hiesigen Bäderlandschaft – in Bokeloh bekommt man deshalb in einem klassischen Freibad so etwas wie Thermalbad-Gefühl. Nicht nur im Nichtschwimmer- oder Planschbereich, der auch in anderen Bädern meist etwas wärmer gehalten wird, sondern auch das große Schwimmerbecken ist selbst an kühleren Tagen ausgesprochen warm. Um die 28 Grad beträgt die konstante Temperatur im Schwimmerbereich – das liegt am oberen Ende der empfohlenen Wassertemperatur für Freibäder. Nicht viele normale Freibäder erreichen diese Temperatur im Hauptbecken.
Wärme spendet auch die Wärmehalle, die für kältere Tage gedacht ist. Auch das gehörte damals in den 1970er Jahren beim Freibadbau zum guten Ton dazu. Die Freibadsaison ließ sich damit verlängern, wenn die Witterung die Nutzung der Liegewiese schon nicht mehr erlaubte.
Auf dem Bademeisterposten steht an diesem Tag Wolfgang Zerban. Er gehört zu den Dienstältesten im Bad, arbeitet seit 35 Jahren für die Bäderbetriebe, und räumt gleich einmal mit der falschen Begrifflichkeit auf: Bademeister, das ist sein Beruf nur in der Umgangssprache. Den Bademeister gebe es in Form der medizinischen Bademeister nur im Gesundheitswesen, etwa in Krankenhäusern und Therapieeinrichtungen. Das habe mit einem öffentlichen Freibad nichts zu tun. In Wirklichkeit ist er korrekterweise Schwimmmeister.





Aber um Gesundheitsfragen muss auch er sich kümmern, wie alle seine Kollegen. Denn die Ausbildung ist aufwändig und speziell. Auch die menschliche Physiologie, Anatomie und medizinische Themen gehören zum Lehrstoff. Die müssen sogar jährlich aufgefrischt werden. Denn Fachangestellte für Bäderbetriebe, wie der Beruf heute offiziell heißt, sind eine Art Alleskönner. Sie vereinen ganz unterschiedliche Aufgaben in nur einer Person. Die Badegäste werden umsorgt und beaufsichtigt, aber auch der gesamte Betrieb drumherum am Laufen gehalten und gewartet. Für die Chloranlage, mit der das Badewasser desinfiziert wird, sind sie ebenso zuständig wie für die Kontrolle der Wasserqualität.





Sogar um die Einlasskontrolle und den Eintrittskartenverkauf müssen sich die Schwimmbadspezialisten nebenbei noch kümmern. Zwar wurden einst Kassenautomaten aufgestellt, damit wollte man zusätzliches Personal sparen. Aber wenn die Automatenanlage mal zickt oder Badegäste Fragen dazu haben, dann müssen doch wieder die Mitarbeiter eingreifen.
Verletzt sich jemand im Schwimmbad, dann sind die Schwimmmeister ebenso erste Anlaufstelle. Schlimme Notfälle hat Zerban in all den Jahren aber nicht erlebt. Ins Wasser springen, um im letzten Moment einen Ertrinkenden zu retten, das gab es in Bokeloh noch nicht. Wenn sich jemand im Schwimmbad verletze, dann eher am Beckenrand, nicht im Wasser, erzählt Zerban. Einmal habe ein Badegast Herzprobleme bekommen nach dem Schwimmen – aber das geschah nur zufällig in diesem Moment und hatte keinen direkten Zusammenhang mit dem Schwimmbad.



Im Jahr 1990 fing Zerban in Wunstorf als Schwimmmeister an. Damit hat er alle Schwimmbäder in Wunstorf aus eigener Anschauung erlebt, vom Hallenbad bis zu allen Freibädern – denn auch das heutige Naturerlebnisbad gehörte früher noch zu den städtischen Bäderbetrieben. Das Freibad Bokeloh war damals gerade „volljährig geworden“ – 18 Jahre alt.
Als wir Wolfgang Zerban fragen, welches aus seiner Sicht das schönste Schwimmbad in Wunstorf ist, rechnen wir fest damit, dass er „Bokeloh“ sagen wird, als gerade die Sonne auf dem Schwimmbecken im Hintergrund zu glitzern beginnt und das Wasser noch viel blauer wirken lässt. Doch der Schwimmmeister überrascht und nennt ein Bad, das es schon nicht mehr gibt: „Das Wunstorfer Freibad“, antwortet er ehrlich. Das habe eine ganz besondere Atmosphäre gehabt.
Gegen eine Verklärung des historischen Wunstorfer Freibades stellt er sich aber. Auch wenn sich inzwischen Legenden gebildet hätten, manche sogar an eine Verschwörung glaubten: Die zurückgehenden Besucherzahlen seien damals der Grund gewesen, weshalb man das Freibad Wunstorf nicht länger in Betrieb gelassen habe. Nichts anderes. Das Freibad Wunstorf war unbeheizt, auch die Kernstädter gingen gern nach Luthe oder Bokeloh.




Inzwischen ist das Freibad Bokeloh über 50 Jahre alt und dafür noch ziemlich gut in Schuss. Aber auch das Freibad Bokeloh wird nicht ewig bestehen, es ist ein Freibad auf Abruf. Auch dafür liegt der Grund in der Vergangenheit: Es wurde damals auf dem Gelände einer ehemaligen Schüttgrube errichtet. Das hat Auswirkungen bis in die Gegenwart. Der Untergrund wandert. Am Übergang vom Nichtschwimmerbecken zur Liegewiese kann man es beispielsweise sehen – hier wird das Gefälle immer größer.
Auch die Möglichkeiten der Instandsetzung sind begrenzt, die damalige Bauweise erlaubt keine größeren Eingriffe von außen. Das wurde bereits in den zurückliegenden Jahren zum Problem, als es zu undichten Stellen im Wasserleitungssystem kam. Solange das Bad keinen größeren Schaden erleidet und Wärme von K+S kommt, steht dem Betrieb nichts entgegen. Doch wenn es doch dazu käme, wäre das Freibad wohl am Ende.


„Wenn, dann bräuchte man hier einen Neubau“, sagt Zerban dazu. Aber die Politik hat anders entschieden. Ein eigenständiges städtisches Freibad wird es künftig wohl nicht mehr geben, wenn das Freibad Bokeloh einmal geschlossen ist. Denn einen Plan B für Bokeloh gibt es bis heute nicht. Es heißt lediglich, dass es so lange betrieben wird, wie es eben noch möglich ist. Stattdessen konzentriert man sich ganz auf das Wunstorf Elements, das zwar kein Freibad ist, aber bald auch einen Anbau mit zu öffnendem Dach bekommen soll.
Bis dahin tun Zerban und seine Kolleginnen und Kollegen alles, damit das Bad reibungslos funktioniert. „Die Kacheln liegen auf Vorrat“, sagt der Schwimmmeister und deutet auf das große Schwimmerbecken. Unzählige davon kleiden die Wände der Becken aus. Defekte Kacheln werden zum Frühjahr immer wieder ersetzt.

Nicht nur die Bokeloher hoffen, dass ihr Freibad noch lange in Betrieb bleiben wird. Mit warmem Wasser, Liegewiesengefühl, dem Sprungturm im blauen Himmel, den sonnenaufgeheizten großen Steinplatten rund um die Becken unter den Füßen und dem Duft von Freibadpommes, der sich mit dem Geruch von leicht gechlortem Wasser mischt. Der Kachelvorrat jedenfalls würde noch eine ganze Weile reichen.
Der größte Vorteil dieses Schwimmbades dürfte wohl das wettkampftaugliche 50 Meter Schwimmbecken sein. Davon gibt es nur wenige im größeren Umkreis.
Das traurige ist ja an der ganzen Freibad,Schwimmbadgeschichte ist ja das die damals neu gebaut wurden und heute ist noch nicht einmal Geld da um diese zu unterhalten und die verantwortlichen finden den Fehler nicht das ist echt traurig
38 Milionen, zum Neu-Umbau,mit Sicherheit wird es um vieles teurer, das sollte man schön sein lassen und auf beide Schwimmbäder als Erhaltungssumme verteilen. Beide Schwimmbäder werden so wie sie sind absolut gebraucht als Sportschwimmbäder und zur Erholung und sportlicher Freizeit Gestaltung, für Schulen und Wettkämpfe. (Wo ist ein weiteres Bad mit 50 m Bahn, ausser Stadion Bad)
Man sollte das Frühschwimmen wieder möglich machen in Bokeloh und auch im Elements. Ist in umliegenden Bädern auch möglich warum weigert man sich in Wunstorf ? Unbegreiflich.
Ich verstehe nicht, warum das Elements in Wunstorf umgebaut werden muß. Der Aussenbereich ist in all den Jahren gewachsen. Im Buschwerk singt sogar die Nachtigall. Ein tolles Naturerlebnis, wenn man sich nach dem Saunagang abkühlt. Beim Umbau wird wahrscheinlich das Gehölz vernichtet. Wir haben doch in Neustadt ein sehr großes Spassbad. Das Freibad in Bokeloh ist in der Sommerzeit wunderbar. Ich nutze die verschiedenen Bäder je nach Bedarf. Es wird wahrscheinlich wieder eine Fehlplanung wie der Barnemarkt-Spielplatz. Die Objektplaner sollten mehr auf die Bedürfnisse und Wünsche der Einwohner eingehen, was sie leider nie tun. Ich wünsche mir, daß das Freibad in Bokeloh noch lange erhalten bleibt und das Schwimmbad Elements nicht erweitert wird.
Ein sehr gut geschriebener Bericht über das Bokeloher Bad. !!!!
Zur Erinne rung:
Das Bad sollte im Jahre 2017/2018 geschlossen werden Wir haben damals den Förderverein des Freibades Bokeloh gegründet um das Bad zu erhalten . Wir sollten schon damals des Bad für einen Euro übernehmen haben das aber nur unter nur in Aussicht gestellt , wenn die Stadt es noch einmal komplett und total überholt. Darauf entgegnete der Bürgermeister Eberhardt — Dann können wir es auch selbst behalten —
Und so ist es bis heute ein Teil der Elements — und wird es noch lange bleiben. Das Wunstorfer Hallenbad soll ja demnächst wieder eröffnet werden. Bei den vielen Problemen ,von denen ich weiß, glaube ich nicht daran. Ich habe zu dem Thema schon einige Leserbriefe in dieser Zeitung geschrieben.
Liebe Leserinnen und Leser aus Wunstorf und den anderen Orten aus denen Ihr zum Bokeloher Freibad kom kommt und es hervorragend findet .tretet in den “ FÖRDERVEREIN FREIBAD BOKELOH “ ein und helft mit es noch möglichst lange zu erhalten ch bin im Vorstand des Förderverins Freibad Bokeloh –bei Fragen bitte melden
„Denn einen Plan B für Bokeloh gibt es bis heute nicht. Es heißt lediglich, dass es so lange betrieben wird, wie es eben noch möglich ist. Stattdessen konzentriert man sich ganz auf das Wunstorf Elements, das zwar kein Freibad ist, aber bald auch einen Anbau mit zu öffnendem Dach bekommen soll.“
Natürlich mal wieder typisch. Ein beliebtes und sich über all die Jahre bewährendes Freibad droht beim kleinsten „Stoereffekt“ geschlossen zu werden, doch das ,“Elements“ wird hochgehoben!
Nach dem Dilemma eigentlich nicht erklärbar.
Aber Wunstorf hält an Projekten der „eigenen Art“ beharrlich fest, ohne sich auf das zu besinnen, was viele Jahre eine Stabilität aufwies (und auch weist) und dementsprechend gewürdigt werden sollte.
Man wünsche dem Freibad Bokeloh weiterhin sicheres Bestehen!